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  • Baukostenindex – Grundlagen und Grenzen der Anwendbarkeit


    Die Baupreise zur Errichtung und Instandsetzung von Gebäuden unterliegen stetigen Schwankungen, in denen sich auch die allgemeine Konjunktur der Bundesrepublik Deutschland widerspiegelt. Um eine möglichst genaue Aussage über die zukünftige Veränderung der Baukosten machen zu können, ist es notwendig, einen Blick auf die bisherige Entwicklung der Preise in der Vergangenheit zu werfen. Hierzu ermittelt und veröffentlicht das statistische Bundesamt vierteljährlich entsprechende Indikatoren, die die prozentuale Preisveränderung bezogen auf ein festgelegtes Basisjahr abbilden. Grundlage sind die Baupreise für Bauleistung im Baugewerbe. Ein wichtiger Indikator für die Preisentwicklung im Baugewerbe ist der Baukostenindex, der die beim Bauen eingesetzten Produktionsfaktoren, insbesondere die Material- und Arbeitskosten misst und aufzeigt.

    Was ist der Baukostenindex?

    Zwei wichtige Indizes, die vom statistischen Bundesamt ermittelt werden, sind im Baugewerbe von Bedeutung: Der Baukostenindex und der Baupreisindex. Während der Baukostenindex die tatsächlichen Baukosten für Material, Lohn aber auch weitere Kosten für Geräte, Ausrüstungen, Energie wiedergibt, beinhaltet der Baupreisindex hingegen die vom Bauherren tatsächlich gezahlten Baupreise. Eingeschlossen sind also auch die vom Bauunternehmen einkalkulierten Gewinnmargen. Grundstückspreise sowie die Honorare für Ingenieure, die an der Erstellung eines Bauwerks beteiligt werden, sind in keinem der beiden Indizes enthalten.
    Grundsätzlich zeigt der Baukostenindex also die Kosten auf, die einem Bauunternehmen bei der Erbringung seiner Bauleistung entstehen. Untergliedert sind die ermittelten Daten dabei in Materialkosten, Arbeitskosten und die Baukosten gesamt. Somit lässt sich beispielsweise die durchschnittliche Lohnentwicklung im Baugewerbe in Deutschland einzeln betrachten.

    Wofür wird der Baukostenindex genutzt?

    Sinn und Zweck des Baukostenindex ist es, die Entwicklungen und Veränderungen der Baupreise in Deutschland aufzuzeigen. Diese Datensätze können für unterschiedliche Beurteilung und Einschätzungen genutzt werden.
    Hilfreich ist der Index unter anderem bei der Kostenermittlung von Bauvorhaben, bei den es zwischen Planung und Ausführung zu zeitlichen Verzögerungen kommt. Mittels einer entsprechenden Formel, in der die eventuelle Preissteigerung über den aktuellen Baukostenindex miteinbezogen wird, lassen sich die zu Beginn der Planung geschätzten Bausummen auf den derzeitigen Entwicklungsstand korrigieren. Architekten und Ingenieure können diese Berechnungsverfahren ebenfalls nutzen, um ältere Kostenkennwerte, die ihnen aus eigenen abgeschlossenen Bauvorhaben oder aus entsprechender Fachliteratur zu Baupreisen vorliegen auf den aktuellen Stand zu bringen.

    Eignet sich der Baukostenindex zur Kostenermittlung?

    Die Kostenfortschreibung und Kostenermittlung mithilfe des Baukostenindex ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, da dieser nur einen Durchschnittswert darstellt. Regionale Preisschwankung und marktbedingte, kurzfristige Preisänderungen sind nicht berücksichtigt. Ebenso ungeeignet ist diese Berechnungsmethode, um Preise für einzelne Bauleistung zu kalkulieren. Auch die Individualität, die jedes Bauvorhaben aufweist, findet so keine Beachtung. Detaillierte Kostenaussagen lassen sich mit diesem Verfahren also nicht treffen. Gerade weil jeder Planer bei der Kostenermittlung auf eine hohe Genauigkeit bei den Baukosten angewiesen ist, sollte auf andere, umfassendere Kostenermittlungsverfahren zurückgriffen werden. Geeignet ist z.B. das Bauelementverfahren mit Preisen aus aktuellen Preisspiegeln von realen Ausschreibungen. Eines ist klar: Kostensicherheit hat heute im Baugewerbe eine enorme Bedeutung und ist nur durch entsprechende Sorgfalt bei der Ermittlung der Baukosten zu erreichen.

    Bild: @ vetkit / iStock / thinkstock